Schaffhauser Nachrichten 26.5.08
Thomas Silvestri Quintet - live am Schaffhauser Jazzfestival[...]
Das schönste «Goodbye» der Welt
Dann schlug die grosse Stunde des Thomas Silvestri. Der Schaffhauser Pianist präsentierte seine neue CD «Les sirènes», die er mit Michael Gassmann, Trompete, Ewald Hügle, Saxophone, Heiner Merk, Bass, und Tony Renold, Schlagzeug, aufgenommen hat. Das Quintett war einer der Höhepunkte des Festivals. Das Titelstück der CD endete in ruhigen Pianowellen, Odysseus' Schiff knallte also nicht auf die Felsen, sondern das Silvestri-Quintett und jetzt vor allem Michael Gassmann blies den vier Winden frisch den Marsch: «Yeti» schnaubte gehörig durch die Welt. Im impressionistischen Bilderbogen über die italienische Stadt Calvi setzte sich der Bassist Heiner Merk ins beste Licht: ausserordentlich agil - eine Entdeckung. Das Quintett groovt, swingt, nimmt Risiken, die Stücke haben eine klare Form und pointierte Schlüsse, die mit Verve und Präzision angesteuert werden. Hier plätschert nichts einfach dahin. Einzelne Musiker herauszuheben hat keinen Sinn, diese Gruppe ist ein Kollektiv, dessen Stärke sich der überaus grossen Spielfreude verdankt. Und dann «Good-bye» - die beste Ballade, die am diesjährigen Jazzfestival zu hören war. Hier erreichten die Musiker das Allgemeingültige, in dieser Ballade zeigte sich, dass die Kunst mehr ist als das Leben, sie ist wird gespeist aus göttlicher Quelle. Nach der Zugabe flogen Rosen auf die Bühne, Blütenblätter regneten auf die Musiker. [...]
(ALFRED WÜGER)